You, me & her

Es fing eigentlich alles damit an, dass die Zeichen des Universums komplett gegen mich standen. Ich meine, meine Mom und mein Dad passten eigentlich kaum zusammen. Das sagen viele Kinder über ihre Eltern, aber meine Eltern sind das beste Beispiel dafür. Meine Mom vertrat ihre ganz eigene Ideologie, hauptsache es war gegen das System. Sie war eine geborene Rebellin, die nicht nur gegen ihre strengen Eltern in vollen Zügen rebellierte. Mein Dad war von einem ganz anderen Kaliber, er glaubte an das System und trat wie fast jeder junge Mann in seinem Alter dem Militär bei. Zwei komplett unterschiedliche Welten, die irgendwann durch extreme Zufälle kollidierten. Erwartet haben die zwei sicher nicht, dass dabei ein Kind heraus springen würde. Sie dachten wohl beide, es sei nur eine temporär begrenzte Beziehung, die sie da führten. Aber manchmal hat das Universum andere Pläne. Es könnte sich genauso in einer mittelmäßigen TV Serie abgespielt haben. Nachdem sie ein paar Monate zusammen waren, habe ich ihre Pläne kurzer Hand durchkreuzt und ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt.

Zuerst stellte sie fest, dass sie schwanger sei und da war nun die große Aufgabe es meinem Vater sanft mitzuteilen. Wie ich meine Mom kenne, hat es mindestens jeder zweite Mensch vor meinem Vater gewusst. Mein Dad, natürlich ein Mann des Stolzes & der Ehre, hat ihr unverhofft einen ganz unromantischen Heiratsantrag gemacht, 2 Minuten nachdem meine Mom ihm gesagt hat, dass sie schwanger ist. Nun ja da war ich auf einmal und hab komplett das Leben zweier Menschen auf den Kopf gestellt. Meine Eltern haben sogar einige Monate später tatsächlich geheiratet, was von meiner Mom sicherlich ein Akt der Rebellion gegen ihre Eltern war und mein Dad, nun er war ein Mann der Pflicht. Ihre Hochzeitsreise führte sie nach Ägypten, in das Land in das ich gerade zurückgekehrt bin. Obwohl ich noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte, muss sich hier meine Liebe zum Reisen entwickelt haben. Meine Eltern haben sich glaube ich hier das erste mal so richtig verliebt. Zwischen dem Wüsten Flair und den chaotischen Städten voller einfacher, glücklicher Menschen, die diese arabischen Songs hören, wodurch man sofort spürt wie das Blut durch die Adern pulsiert, die Muskeln zucken und man einfach anfangen muss zu tanzen. Sie lernten hier auch ein anderes Ehepaar kennen, das aber keine Kinder bekommen konnte. Ich weiß, dass sie sich immer eine Tochter gewünscht hatten und die dann Enrica heißen sollte. Da war er ja auch schon, mein richtiger Name. Dennoch kennt mich heute jeder nur über den Namen Enny. Meine Eltern wussten nicht, dass ich ein Mädchen werden würde, aber als Junge hätte mein Vater mich „Friedjof“ getauft und das, liebe Mitleser, ist ein erstklassiger Grund dafür, dass ein Kind die Mittelstufe nicht überlebt. Das Universum hatte dann doch Mitleid, so scheint es mir, und ich wurde ein Mädchen.

Mein Leben ist alles andere als ganz normal, so wie meine Geburt. Meine Mom, die by the way jeder unter dem Namen Conny kennt, war in so einem Heim, wo manche Mütter vor der Geburt ihres Kindes hingehen. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass es ironischer Weise nicht wirklich für Geburten ausgestattet war. Zumindest für Geburten wie mich. Ich kam so unangemeldet, wie meine Mom ihre Schwangerschaft feststellte. Leicht suizidal veranlagt legte ich mir die Bauchnabelschnur um den Hals und sobald ich halb aus meiner Mom heraus kam, verlor ich meinen Puls. So intellektuell die Leute da auch waren, schoben sie mich wieder zurück und ich hatte wieder einen Puls. Dieses Spiel hätte ewig so weiter gehen können, wäre da nicht meine Mom gewesen, die vor Schmerzen fast alle umgebracht hätte. Die Pfleger rings um meine Mutter meinten, es wäre eine angemessene Idee in ein nahe gelegenes Krankenhaus zu fahren, wofür ich dem Krankenpfleger sicherlich den Nobelpreis verliehen hätte. Also Fahrstuhl. Kaum darin hörte mein Herz auf zu schlagen und sie drohten mich zu verlieren. Das letzte an das sich meine Mom erinnern konnte, war, dass ihr jemand gesagt hatte, dass ich nur überleben würde, wenn man ihr sofort den Bauch aufschneiden würde. So erblickte ich das Licht der Welt zum ersten Mal im Fahrstuhl.

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